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Der Säure-Basen-Haushalt
Der Säure-Basen-Haushalt stellt eines der wichtigsten Regulationssysteme unseres Organismus dar. Mittels verschiedener Stoffwechselvorgänge sorgt er für ein ausgewogenes Verhältnis von Säuren und Basen im Körper.
Ob das Blut die Körperzellen mit Nährstoffen und Sauerstoff beliefern, der Magen seiner Verdauungstätigkeit nachkommen oder die Haut ihre Grenzfunktion zur Außenwelt aufrechterhalten kann - alle diese Vorgänge hängen maßgeblich von der richtigen Säure-Basen-Balance ab. Dabei verfügt der Körper über komplexe Mechanismen, um in den verschiedenen Körperbereichen für das jeweils benötigte saure oder basische Milieu zu sorgen. Allerdings sind letztlich wir selbst für einen ausgeglichenen Säure-Basen-Haushalt verantwortlich, der in erster Linie von der richtigen Ernährung und Lebensweise abhängt. Doch Übersäuerungserscheinungen nehmen zu. Zunächst nur als leichte Einschränkung des Wohlbefindens spürbar, kann die Übersäuerung unseres Organismus gravierende Folgen haben. Deshalb ist es wichtig, frühzeitig etwas für seinen Säuren-Basen-Haushalt zu tun. Dafür muss zunächst der Zusammenhang von Säuren und Basen im Organismus und ihre Abhängigkeit von Ernährung und Lebensweise erklärt werden.
Säure-Basen-Balance des menschlichen Organismus
Was haben nun aber die Säuren und Basen mit unserem Organismus zu tun? Die unterschiedlichen Systeme unseres Körpers benötigen spezifische pH-Bedingungen, um ihre Aufgaben erfüllen zu können. Dabei handelt es sich nicht um ein starres System, sondern um ein dynamischen Geschehen, das darauf abzielt, optimale pH-Werte für die unterschiedlichen Lebensprozesse herzustellen und aufrechtzuerhalten. In den verschiedenen Organen und Körperflüssigkeiten wie Blut, Lymphflüssigkeit, Speichel und Urin liegen nämlich ganz unterschiedliche, teils basische, teils saure Milieus vor.
So hat zum Beispiel der Magen einen pH Wert von 1 bis 2. Dieses stark saure Milieu ermöglicht die Aufspaltung der durch die Nahrung aufgenommenen Eiweiße. Im Dünndarm herrscht ein pH-Wert von 5 bis 6, der spezielle Enzyme zur Verdauung der Kohlenhydrate aktiv werden lässt. Die meisten Körperzellen und auch das Blut benötigen dagegen einen pH-Wert von 7 bis 7,4. Vor allem im Blut muss der pH-Wert unter allen Umständen konstant gehalten werden.
Blut – das "flüssige Organ" und sein pH-Wert
Das Blut steht über den Blutkreislauf mit allen Organsystemen, darunter dem Atemapparat und dem Verdauungstrakt in Verbindung. Es versorgt jede Körperzelle mit Nährstoffen und Sauerstoff und transportiert die meist sauren, beziehungsweise sauer reagierenden Abfallprodukte weiter zu den Verdauungs- und Ausscheidungsorganen. Säuren können so mit dem Kohlendioxid über die Lungen abgeatmet oder mit dem Harnstoff über die Niere ausgeschieden werden.
Damit das Blut seine lebensnotwendigen Aufgaben erfüllen kann, benötigt es ein leicht basisches Milieu mit einem pH-Wert zwischen 7,35 und 7,45. Bei niedrigerem pH-Wert könnten die roten Blutkörperchen den Sauerstoff nicht anlagern, bei leicht erhöhtem wäre die Sauerstoffabgabe an die Zellen erschwert. Für die Konstanterhaltung des pH-Werts verfügt das Blut über verschiedene Puffersysteme, die die überschüssigen Säuren mit basischen Stoffen, vor allem Natriumbikarbonat, neutralisieren.
Doch dieser Mechanismus funktioniert nur in einem gesunden Organismus, der von vornherein über eine ausgewogene Säure-Basen-Balance verfügt.
Wie entsteht Übersäuerung?
Falsche und einseitige Ernährung, Stress und Umweltbelastung bringen die Säure-Basen-Balance unseres Organismus aus dem Gleichgewicht. Eine der wichtigsten Quellen für Basen bildet unsere Ernährung. Doch die ist in der heutigen Zeit zunehmend unausgeglichen. Fettes, süßes und fleischreiches Essen liefert vor allem Säuren und Säure bildende Stoffe. Basen, wie sie hauptsächlich in Gemüse und Obst zu finden sind, werden in zu geringem Maße verzehrt, um ein Gegengewicht zu der regelrechten Säurenflut zu bilden. Zusätzlich sind die Böden durch Schadstoffe und Überdüngung selbst übersäuert, sodass Mineralien- und Vitamingehalt selbst der gesündesten Lebensmittel immer weiter abnehmen. Genussgifte wie Alkohol, Nikotin und Kaffee wirken ebenfalls Säure bildend im Körper. Auch Industrie- und Autoabgase, mangelnde Bewegung, Stress und die Einnahme bestimmter Medikamente wirken sich negativ auf die Säuren-Basen-Bilanz aus. Die Folge ist eine Übersäuerung des ganzen Organismus.
Mechanismen der Übersäuerung
Der Körper kann die Quantitäten säurehaltiger und Säure bildender Nahrung auf Dauer nicht kompensieren. Es fehlen Basen und Basen bildende Stoffe zur Neutralisation der Säuren. Doch wohin mit der überschüssigen Säure?
Da dem überlebensnotwendigen Funktionieren des Blutkreislaufs andere Systeme untergeordnet sind, werden zunächst scheinbar weniger wichtige Körperregionen mit den Säuren belastet. Kann das Blut nicht mehr alle sauren Abfallprodukte zu den Ausscheidungsorganen transportieren, werden überschüssige Säuren als Schlacken im Bindegewebe und anderen Körpergeweben gelagert. Dort können sie durch eine Basenflut wieder herausgespült und zur Ausscheidung gebracht werden.
Doch auch die Puffersysteme, die für die Basenbildung verantwortlich sind können überlastet werden. Ein wichtiger Basenproduzent ist der Magen, dessen Belegzellen zusammen mit der ätzenden Magensäure das basische Natriumbikarbonat herstellen. Als Puffersubstanz geht Natriumbikarbonat in den Blutkreislauf sowie die Basen anziehenden Organe wie Bauchspeicheldrüse, Leber, Gallenblase und Dünndarm über. Von da wird es nach Bedarf in verschiedene Körperbereiche abgegeben, um dort übersäuerte Verhältnisse auszugleichen und optimale pH-Werte wiederherzustellen.
Doch da der Magen die basische Puffersubstanz immer nur in Kombination mit der Magensäure herstellen kann, führt erhöhter Basenbedarf nicht nur zur Basen- sondern auch zur Säureproduktion. Ein Teufelskreis beginnt. Der Magen übersäuert zunehmend, Verdauungsprobleme, Sodbrennen und ein erhöhtes Risiko für Magengeschwüre sind die Folgen.
Auch das Säurelager im Gewebe wird so schließlich zum Dauerzustand. Die sauren Schlacken verhärten das Gewebe und behindern den Bluttransport von Nährstoffen. Bindegewebsschwäche und Durchblutungsstörungen stellen sich ein. Die Übersäuerung geht zudem mit einer erhöhten Entzündungsanfälligkeit einher. Denn während ein gesunder Organismus Entzündungen durch eine leichte Übersäuerung signalisiert, die die Abwehrarbeit der weißen Blutkörperchen aktiviert, kann das Immunsystem bei konstant hoher Übersäuerung gar nicht erst aktiv werden.
Ebenso leidet die Haut unter der Säurebelastung. Durch übermäßig sauren Schweiß angegriffen bildet sie einen Nährboden für Pilze, Ekzeme und eitrige Entzündungen.
Eine besonders gravierende Auswirkung hat die Übersäuerung schließlich auf Knochen und Gelenke. Können die Puffersysteme nicht mehr genügend ausgleichende Basen produzieren, greifen sie nämlich auf die basischen Mineralien des Körpers zurück. Osteoporose, Arthrose, Karies, Haarausfall und brüchige Nägel sind die Konsequenzen.
Die verschiedenen ungesunden Prozesse, die durch eine Übersäuerung in Gang gesetzt werden, kosten den Organismus übermäßig Kraft, sodass nicht zuletzt auch das psychische Wohlbefinden Schaden nimmt.
Übersäuerung erkennen und bekämpfen
Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Stressanfälligkeit und Leistungsabfall sind oft die ersten Anzeichen einer Übersäuerung. Studien gehen davon aus, dass circa achtzig Prozent der erwachsenen Menschen in den Industrienationen mehr oder minder stark übersäuert sind.
Je früher die Übersäuerung erkannt wird, desto leichter ist es, einer weiteren Entwicklung Einhalt zu gebieten. Am Anfang muss eine exakte Diagnose stehen, anhand derer das Ausmaß der Übersäuerung bestimmt werden kann. Eine leicht durchzuführende Methode bietet hier der Urintest. Dabei wird über einen Zeitraum von mindestens einer Woche der pH-Wert des Urins mehrmals täglich mit speziellen Indikatorstreifen gemessen. Mit Ausnahme des Morgenurins, der auch im Normalfall sauer reagiert, sollten die später gemessenen Werte im neutralen und basischen Bereich liegen. Liegen dagegen auch die im Tagesverlauf gemessenen Werte im sauren Bereich, spricht alles für eine Übersäuerung.
Ernährung
Da uns Basen und Basen bildende Stoffe vor allem über die Ernährung zugeführt werden, muss beim Bemühen um die Wiederherstellung eines gesunden Säure-Basen-Gleichgewichts hier zuerst eingesetzt werden. Stark saure und Säure bildende Nahrungsmittel wie Fleisch, Fisch, Kuhmilchprodukte, Zucker und Süßigkeiten, Weißmehlprodukte und gehärtete Fette sollten auf ein Minimum reduziert werden. Auch der Konsum von gesüßten Getränken, Kaffee und Alkoholika muss drastisch eingeschränkt werden.
Lebensmittel aus Vollkorngetreide, Weizenkeimen und Hirse können als gesunde Alternativen an die Stelle von herkömmlichen Hartweizen- und Weißmehlprodukten sowie weißem Reis treten. Denn sie haben eine ausgewogene Säure-Basenbilanz, das heißt, sie führen dem Körper ungefähr gleich viel Säuren und Basen zu.
Der Hauptanteil der täglichen Ernährung sollte schließlich aus Basen zuführenden, beziehungsweise im Körper Basen bildenden Lebensmitteln bestehen. Also aus Gemüse, Obst, Kartoffeln, Kräutern und Sojaprodukten. Für den Basengehalt spielen Anbau und Zubereitung eine entscheidende Rolle. Es empfiehlt sich also, Biogemüse aus der Region zu kaufen, statt konventionell angebautes Gemüse mit weiten Transportwegen.
Liegt eine stärkere Übersäuerung vor, muss der Körper zusätzlich mit basischen Mineralien und Nahrungsergänzungsmitteln unterstützt werden. In diesem Fall sollte man auf Nahrungsergänzungspräparate zurückgreifen, die eine ausgewogene Versorgung mit den wichtigsten Mineralien gewährleisten können.
Bewegung und Pflege
Regelmäßige und maßvolle körperliche Bewegung bildet den Grundstein für eine gesunde Verdauung. Diese wiederum bietet den besten Schutz vor Übersäuerung, hilft aber auch einem bereits übersäuerten Organismus zurück zum richtigen Gleichgewicht. Denn nur ein gesunder Verdauungstrakt garantiert die vollständige Ausscheidung überschüssiger Säuren. Diese kann weitergehend durch eine Darmreinigung unterstützt werden.
Säuren verlassen aber nicht nur über die Ausscheidungsorgane den Körper, sondern werden auch über die Haut ausgeschwitzt. Dieses Organ kann man gut durch basische Hautpflege in Form von Duschen, Bädern und Masken unterstützen und zugleich vor weiterer Säurebelastung schützen.
Mit einer Kombination aus basenreicher Ernährung, ausreichender Bewegung und der passenden Hautpflege stellt sich schließlich auch die gesunde Säure-Basen-Balance wieder ein, und das innere und äußere Wohlbefinden kehrt zurück.
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Foto: pixelio / Lucie Kärcher
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